Feuerwehr Marburg unterstützt Feuerwehr Moshi in Tansania
Die Feuerwehr Marburg pflegt im Rahmen der Städtepartnerschaft eine enge Zusammenarbeit mit der Feuerwehr der tansanischen Stadt Moshi. Anlass hierfür war die Übergabe von drei ausgemusterten Feuerwehrfahrzeugen aus den Marburger Stadtteilen Moischt und Cappel in den Jahren 2024 und 2025.

Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr Moshi nachhaltig zu stärken und den fachlichen Austausch zwischen beiden Städten zu fördern.

Im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts reisten die Marburger Feuerwehrangehörigen Marc-Phillip Preis und Philipp Müller nach Moshi, um die dortigen Einsatzkräfte in den Bereichen Brandbekämpfung, Technische Hilfeleistung und Fahrzeugtechnik auszubilden.
Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Vermittlung feuerwehrtechnischer Fähigkeiten, sondern vor allem die Hilfe zur Selbsthilfe. Die Ausbilder entwickelten gemeinsam mit ihren tansanischen Kolleginnen und Kollegen praxisnahe Ausbildungskonzepte, die künftig eigenständig vor Ort weitergeführt werden können.
Während zahlreicher Übungen wurden unter anderem die Brandbekämpfung, die Rettung eingeklemmter Personen nach Verkehrsunfällen, der Umgang mit hydraulischen Rettungsgeräten, Wasserrettung, Lastensicherung sowie die Wartung und Instandhaltung von Fahrzeugen und Geräten trainiert. Gleichzeitig wurde die Beladung der gespendeten Fahrzeuge an die örtlichen Einsatzbedingungen angepasst und nicht benötigte Ausrüstung entfernt.

Besonders beeindruckend war der große Wissensdurst und die hohe Motivation der Feuerwehrangehörigen in Moshi. Trotz begrenzter materieller Ressourcen zeigten sie großes Engagement und setzten die vermittelten Inhalte schnell und erfolgreich in die Praxis um. Bereits während des Aufenthalts konnten die Marburger Ausbilder beobachten, wie neu erlernte Taktiken bei einem realen Brandeinsatz angewendet wurden.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Ausbildung von Multiplikatoren. Durch moderne Stationsausbildungen und eigens erstellte Lehrvideos erhielten die Feuerwehrkräfte in Moshi Werkzeuge, um ihr Wissen künftig selbstständig an weitere Einsatzkräfte weiterzugeben. Dabei wurde bewusst auf die bestehenden Strukturen der tansanischen Feuerwehr aufgebaut und diese mit bewährten Methoden aus Deutschland sinnvoll ergänzt.
Neben der fachlichen Zusammenarbeit entwickelte sich ein intensiver persönlicher Austausch. Gemeinsame sportliche Aktivitäten, Begegnungen mit der Bevölkerung und die außergewöhnliche Gastfreundschaft der Menschen in Moshi machten den Aufenthalt zu einer besonderen Erfahrung.
Aus Kolleginnen und Kollegen wurden Freunde – teilweise sogar Familienmitglieder im übertragenen Sinne.
Ein Höhepunkt des Aufenthalts war die feierliche Übergabe eines Tanklöschfahrzeugs und eines Rüstwagens an die Stadt Moshi.

Die Fahrzeuge stehen symbolisch für die Freundschaft zwischen den Bürgerinnen und Bürgern beider Städte und leisten künftig einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Menschen vor Ort.

Der Austausch wird auch in Zukunft fortgesetzt. Bereits im September wird eine Delegation der Feuerwehr Moshi zu weiteren Ausbildungsmaßnahmen nach Marburg kommen. Die Partnerschaft zeigt eindrucksvoll, wie internationale Zusammenarbeit, gegenseitiges Lernen und persönliches Engagement einen nachhaltigen Beitrag zum Bevölkerungsschutz leisten können.
Die Bilder zum Reisetagbuch finden Sie auf unseren Social-Media-Kanälen Facebook und Instagram!
Tag 1 - Feuerwehr-Know-how für Afrika: Feuerwehr Marburg schult Einsatzkräfte in Moshi
Aktuell befindet sich zwei Mitglieder der hauptamtlichen Abteilung der Feuerwehr in Marburgs jüngster Partnerstadt Moshi. Es ist bereits der zweite Besuch von Feuerwehrleuten dort, um die Einsatzkräfte der dort in ihrer Ausbildung in der Brandbekämpfung und der Technischen Unfallhilfe zu unterstützen. Anlass für die enge Zusammenarbeit ist die Spende von drei ausgemusterten Feuerwehrfahrzeugen aus Moischt und Cappel in den Jahren 2024 und 2025 an die Stadt am Fuße des Kilimandscharo. In den nächsten zwei Wochen möchten wir euch auf unseren Social-Media-Kanälen in einer Art Reisetagbeuch über die Arbeit von Marc-Phillip Preis und Philipp Müller in Moshi berichten. Nach einem 10 Stunden Flug und einer knapp einstündigen Fahrt im Shuttlebus sind die beiden am heutigen Sonntag in Moshi angekommen. Nach einem kurzen Stopp im Hotel ging es gleich zur Feuerwache, wo die beiden freudig begrüßt wurden. Und sofort ging es mit der Ausbildung los, denn der Wissendurst und das Interesse bei unseren Kameraden in Moshi ist groß und die beiden wurden mit Fragen überhäuft! In den ersten beiden Tagen werden Marc-Phillip und Philipp gemeinsam mit den Feuerwehrangehörigen damit verbringen, die Anordnung der Beladung auf den Einsatzfahrzeuge zu optimieren und die verschiedenen Einsatzzwecke von Löschfahrzeugen und der rollenden Werkzeugkiste, dem Rüstwagen, zu erläutern. Ferner werden sie zeigen, wie man kleinere Reparaturen an der Ausrüstung eigenständig erledigen kann, denn die nächste feuerwehrtechnische Werkstatt ist einige Fahrstunden von Moshi entfernt.
Tag 2 - Feuerwehr-Know-how für Afrika: Feuerwehr Marburg schult Einsatzkräfte in Moshi
Der Tag heute begann für Marc-Phillip und Philipp mit einem Treffen des Leiters der Feuerwehr Moshi und dem Abteilungsleiter für die Ausbildung und die Einsatzvorbereitung. Dort wurde der Plan für die kommenden Tage besprochen und welche Herangehensweisen, ein Einsatzszenario abarbeiten zu können, die Afrikaner von ihren deutschen Gästen erlernen möchten. Im Anschluss an die Besprechung wurde sämtliches Material von den Fahrzeugen entnommen und auf Funktion geprüft. Hauptaugenmerk lag hierbei auf den motorisierten und elektrischen Gerätschaften. Da die Fahrzeuge noch so bestückt waren, wie sie von Deutschland ausgeliefert wurden, wurden die Aufbewahrungsorte der Ausrüstungsgegenstände an die Arbeitsweise in Moshi angepasst. Es wurde auch nicht benötigtes Material von den Fahrzeugen entfernt. Da in Moshi nicht mit Schnee zu rechnen ist, wurden zum Beispiel die Schneeketten nicht mehr auf das Fahrzeug zurückgeführt. Unsere beiden Ausbilder wurden mit Fragen und dem Wissensdurst der Afrikaner überflutet und so verflog die Zeit. Erschöpft, aber zufrieden ging es nach einem heißen und anstrengenden 10stündigen zweiten Ausbildungstag ins Hotel. Morgen wird der Schwerpunkt auf der Rettung eingeklemmter Personen nach einem Verkehrsunfall liegen. Um die Ausbildung nachhaltig zu sichern, wollen Marc-Phillip und Philipp kurze Videos erstellen, die die Feuerwehrleute aus Moshi für ihre künftige Ausbildung nutzen können.
Tag 3 - Feuerwehr-Know-how für Afrika: Feuerwehr Marburg schult Einsatzkräfte in Moshi
Entgegen den gestrigen Planungen, heute die technische Hilfeleistung bei einem Verkehrsunfall zu üben, stand Brandbekämpfung auf dem Lehrplan. Die Feuerwehrangehörigen aus Moshi entzündeten dazu ein Übungsfeuer und zeigten ihre Herangehensweise und die beim letzten Besuch in Deutschland erlernten Handgriffe mit dem Material. Deutliche Fortschritte bei ihrer taktischen Vorgehensweise bescheinigten Marc-Phillip und Philipp den afrikanischen Kollegen, die sichtlich stolz über das Lob waren. In Moshi ist es üblich, dass bei der Ausbildung einer etwas erklärt und viele Leute zuschauen. Auf Grund der Materialknappheit dort ist es oft nicht möglich, dass alle aktiv an Übungen teilnehmen und Dinge ausprobieren. Unsere Marburger Feuerwehrangehörigen zeigten die Vorteile von Stationsausbildung und schulten die afrikanischen Ausbilder. Leiter steigen, das Anheben und Sichern von Lasten, Einsatz der Tauchpumpe in Verbindung mit dem Stromerzeuger und die Absicherung von Einsatzstellen gegen den fließenden Verkehr waren die vier Stationen. „Die fahren hier alle wie sie wollen, es geht auf der Straße drunter und drüber“, so Philipp Müller. Aus diesem Grund ist eine auf den ersten Eindruck nebensächliche Aufgabe wie die Verkehrsabsicherung bei Einsätzen in Moshi überlebensnotwendig. Oberstes Ziel ist es, eine nachhaltige Ausbildung zu betreiben, so dass die Feuerwehrangehörigen aus Moshi gezielt und eigenständig ausbilden können, wenn unsere beiden Marburger Ausbilder wieder weg sind. Nach Feierabend ging es auf den Fußballplatz in Moshi um mit den Einheimischen etwas zu kicken. Darüber und natürlich zur Ausbildung morgen an dieser Stelle mehr.
Tag 4 - Feuerwehr-Know-how für Afrika: Feuerwehr Marburg schult Einsatzkräfte in Moshi
Nicht nur die Feuerwehr, sondern auch der Sport verbindet. Und so ging es am gestrigen Abend nach „Dienstschluss“ noch auf den örtlichen Sportplatz um noch etwas zu kicken und den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Am heutigen Tag stand die Technische Rettung bei Verkehrsunfällen auf dem Plan. Nach einer Einweisung in die hydraulischen Schneid- und Spreizgeräte wurde die Rettung von eingeklemmten Personen aus einem PKW geübt. Dem ein oder anderen Afrikaner „blutete dabei das Herz“, denn was wir in Deutschland als Schrottauto zum Zerlegen bei Übungen verwenden, wird in Moshi noch einigermaßen fahrtüchtig gemacht und zur Fortbewegung genutzt. Mit dem Mehrzweckzug wurde das Sichern und Bewegen von Lasten trainiert. Das Rote Kreuz trainierte mit den Sanitätern aus Moshi die medizinische Erstversorgung. Eine besonders junge Truppe von Feuerwehrangehörigen stand uns heute gegenüber, denn diese kamen direkt von der Feuerwehrschule im 350 Kilometer entfernten Tanga. Ausbildungsziel heute war es, mit dem vorhandenen Material eigene Ideen zur Rettung zu entwickeln.Denn in Moshi war es bisher so üblich, dass alle sagen „Yes Boss“ und nur die Handgriffe auszuführen, was der Vorgesetzte ihnen anordnet zu tun. Unser beiden Marburger staunten nicht schlecht, als sie den Grund dafür erfuhren. Das liegt an der dortigen Art der Ausbildung, der afrikanischen Feuerwehrleute. 15 Ausbilder kümmern sich um 1000 Feuerwehranwärter. Inhalt der sechsmonatigen Ausbildung sind drei Monate Fitness, militärischer Drill und nur drei Monate Feuerwehrtätigkeiten. Noch nicht mal annähernd ein Vergleich zu unserer Ausbildung hier in Deutschland und somit kein Wunder, dass das feuerwehrtechnische Wissen und das taktische Vorgehen bei den Einsatzszenarien schlichtweg einfach nicht vorhanden sind. Der Wissensdurst der Feuerwehrangehörigen aus Moshi ist immens und sie saugen die Informationen, Tipps, Tricks und Handgriffe die sie von uns gesagt und gezeigt bekommen förmlich auf und setzen diese auch schnell eigenständig um.
Tag 5 - Feuerwehr-know-how für Afrika: Feuerwehr Marburg schult Einsatzkräfte in Moshi
Heute war es ungewöhnlich heiß in Moshi, deshalb haben wir es mit der Ausbildung etwas ruhiger angehen lassen. An mehreren Stationen ging es um das Anheben und das Sichern von Lasten sowie das Erkennen von Gefahren bei den verschiedenen Methoden. Im Einsatz waren zwei hydraulische Winden, ein Wagenheber und das hydraulische Spreizgerät. Beim Einsatz des Spreizgerätes zeigte sich recht zügig, dass diese Methode des Anhebens zwar schnell geht, sich das Fahrzeug aber unkontrolliert bewegt und wegdrückt. Dies war aber auch das Übungsziel – Gefahr erkennen und die Maßnahme abbrechen. Zum Ziehen eines Feuerwehrfahrzeugs kam erneut der Mehrzweckzug zum Einsatz und die Feuerangehörigen aus Moshi mussten auch hier wieder eventuelle Gefahren erkennen und diesen vorbeugen. In diesem Fallen galt es, das unkontrollierte Wegrollen des Fahrzeugs auf Grund des abschüssigen Geländes zu verhindern. Bei der Übung zur Brandbekämpfung mussten zwei Strahlrohre vorgenommen werden. Auch diese Ausbildungseinheit klappte sehr gut. Marc-Phillip und Philipp lobten das Engagement und die Weiterentwicklung der jungen Truppe der Feuerwehrschule , den Feuerwehrleuten und Feuerwehrführungskräften von Morgen.
Tag 6 - Feuerwehr-know-how für Afrika: Feuerwehr Marburg schult Einsatzkräfte in Moshi
Der heutige Tag bestand überwiegend aus Besprechungen mit der Leitung der Feuerwehr Moshi. Es wurde ein Resümee der vergangenen Tage gezogen und die Ausbildungsschwerpunkte für die kommende Woche geplant. Zudem über die festgestellten Defekte an Fahrzeugen und Ausrüstung gesprochen und überlegt, wo man kurzfristig Ersatzteile auftreiben könnet, um in der kommenden Woche evtl. noch Reparaturen auszuführen. Die Feuerwehrangehörigen aus Moshi waren während der Meetings aber nicht untätig. In Eigenregie wurde das in dieser Woche erlernte Wissen an Stationen umgesetzt und geübt. Im Fokus stand der Einsatz mit tragbaren Leitern. Morgen und übermorgen haben Marc-Phillip und Philipp „frei“ und erkunden die traumhafte Landschaft rund um Moshi und den Kilimandscharo. Natürlich berichten wir auch Samstag und Sonntag über das Erlebte der beiden und lassen euch an ihren Aktivitäten teilhaben. Dann zwar mit weniger Feuerwehrbildern und mehr Landschaftsaufnahmen, trotzdem sicher nicht minder interessant. Wir wünschen den beiden schon mal ein erholsames Wochenende mit vielen tollen Eindrücken und Erlebnissen.
Tag 7 - Feuerwehr-know-how für Afrika: Feuerwehr Marburg schult Einsatzkräfte in Moshi
Auf dem Plan stand heute ein Tripp nach Pangani am indischen Ozean. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Und so war die Reise heute das Ziel. Auf Grund mehrerer Autopannen mussten etliche ungeplante Zwischenstopps eingelegt werden. Nach mehreren gescheiterten Reparaturversuchen und jeder Menge Zeit ereilte unseren Marburgern Hilfe „von oben“. Der Pastor aus Korogwe hat über einen seiner Kollegen ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt. Und da zeigte sich die Gastfreundschaft, die in Afrika herrscht. Ein wildfremder Mann stellte Marc-Phillip und Philipp sein Auto für das komplette Wochenende zur Verfügung, lud sie ein bei ihm zu essen und organisierte die Reparatur ihres Fahrzeuges. Durch eine wundervolle Landschaft und viele kleine Dörfern mit herzlichen Menschen ging es weiter nach Pangani. 79 km in 5 Stunden. Die Herzlichkeit und die Hilfsbereitschaft auf dem Tripp heute haben unsere beiden Feuerwehrleute nachdenklich gestimmt. „Man empfindet tiefe Dankbarkeit, dass man diese für uns in Deutschland nahezu unbekannte Gastfreundschaft und Herzlichkeit empfangen darf“, so Marc-Phillip. Die beiden sind nun in einer wunderschönen Unterkunft am Strand von Pangani untergebracht. Heute Abend steht das dortige Nachleben und hoffentlich viel Kontakt zur örtlichen Bevölkerung auf dem Programm. Wir wünschen den Beiden einen schönen Abend und ganz viel Spaß und sind gespannt, was sie uns morgen berichten.
Tag 8 - Feuerwehr-know-how für Afrika: Feuerwehr Marburg schult Einsatzkräfte in Moshi
Die erste Woche in Moshi beenden wir heute mit Gedanken von Marc-Phillip und Philipp, die sie gerne mit euch teilen möchten. „Fühlt euch eingeladen und setzt euch für einen Augenblick neben uns auf diese Bank. Diese Bank ist für uns ein Ort geworden, um innezuhalten und um nach der ersten Woche ein Resümee zu ziehen. Über alles, was wir erlebt haben, die vielen Eindrücke, die Begegnungen, das Kennenlernen und das Miteinander.Vor allem aber bringt sie uns zum Nachdenken. Wenn wir den Menschen hier in die Augen schauen und die Kinder am Straßenrand sehen, während wir vorbeifahren. Wenn wir erleben, mit wie wenig hier viele Menschen auskommen müssen. Ein Dach über dem Kopf, fließendes Wasser oder zuverlässiger Strom sind hier keine Selbstverständlichkeit. Auch medizinische Versorgung gibt es im Vergleich zu Deutschland so gut wie gar nicht. Zwar gibt es Krankenhäuser, doch sie sind oft längst nicht so ausgestattet, wie wir es kennen. Die Behandlung muss in der Regel selbst bezahlt werden, während sich die Angehörigen um die Versorgung der Erkrankten kümmern. Auch Bildung ist keine Selbstverständlichkeit. Nicht jedes Kind kann zur Schule gehen. Es gibt keine Sicherheit für das Alter und das Leben hängt oft von Umständen ab, die niemand beeinflussen kann. Viele Menschen wissen nicht, was der nächste Tag bringen wird. Und trotzdem begegnen uns die Menschen mit einem Lächeln, mit einer Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die uns jeden Tag aufs Neue tief berührt. Diese Erfahrungen zeigen uns, wie selbstverständlich vieles für uns geworden ist und wie wertvoll es eigentlich ist. Vielleicht nehmt ihr euch an diesem Sonntag auch einen Moment Zeit, setzt euch gedanklich neben uns auf diese Bank und macht euch bewusst, was im Leben wirklich zählt. Mit diesen Gedanken wünschen wir euch einen schönen Restsonntag. Wir freuen uns darauf, wenn ihr uns in der nächsten Woche wieder begleitet.“
Tag 9 - Feuerwehr-know-how für Afrika: Feuerwehr Marburg schult Einsatzkräfte in Moshi
Der erste Tag der neuen Woche unserer beiden Marburger begann mit einem Resümee des vergangenen Freitags, an dem die Feuerwehrangehörigen aus Moshi zum ersten Mal eigenständig einen Ausbildungstag in Form von Stationsausbildung durchgeführt haben. Anhand von Bildern und Videos wurden die Ausbildungseinheiten ausgewertet. Mit dem Ergebnis waren Marc-Phillip und Phillip sehr zufrieden und der Tag hat gezeigt, dass diese Form der Ausbildung genau die Richtige für die dortigen Feuerwehrangehörigen ist, um die Handgriffe und Taktiken zu trainieren und zu festigen. In dieser Woche wird die Truppe das Themenfeld der Stationsausbildung verlassen und zum Beüben von Einsatzszenarien übergehen. Die Vorgehensweise bei den Einsätzen ist in Tansania stark britisch geprägt. Aus Sicht unserer beiden Ausbilder macht es keinen Sinn, dieses System abzulegen und komplett auf eine deutsche Vorgehensweise umzuschulen, sondern das System, nach dem das ganze Land arbeitet, so zu belassen und ein paar „deutsche Tricks und Kniffe“ einzubauen. Wie zum Beispiel von Beginn an das Setzen eines Löschwasserverteilers, was die Tansanier so bisher nicht kannten. Schockiert waren die beiden Marburger, dass die Auszubildenden der Feuerwehr Moshi, die aus dem ganzen Land kommen, um hier das Feuerwehr-Handwerk zu erlernen, für die Unterbringung selbst aufkommen müssen und oft reicht das Geld dann aber nicht mehr für Essen und Getränke. Allen Verzicht nehmen sie auf sich, um Feuerwehrleute zu werden, um anderen aus noch größerer Not zu helfen. Zum Tagesabschluss erlebten Marc-Phillip und Philipp noch einen Gänsehautmoment. Die Feuerwehrangehörigen aus Moshi bedankten sich bei ihren Marburger Ausbildern mit einem Lied, welches im Stil der in Afrika üblichen Stammesgesänge vorgetragen wurde. Ein sehr emotionaler Moment für die beiden.
Tag 10 - Feuerwehr-know-how für Afrika: Feuerwehr Marburg schult Einsatzkräfte in Moshi
Noch am gestrigen Abend konnten unsere beiden Marburger Ausbilder einen Einsatz live miterleben. Während einer abendlichen Besprechung bekamen Marc-Phillip und Philipp mit, dass die Feuerwehr Moshi zum Brand eines Lagerraums gerufen wurde. Die beiden sind dann zur Einsatzstelle gefahren und konnten beobachten, wie das erlernte Wissen in den Ausbildungen beim Einsatz umgesetzt wurde. An das gestrige Einsatzgeschehen knüpfte dann auch die heutige Ausbildung an. Der Einsatz wurde gemeinsam nachbetrachtet und Marc-Phillip und Philipp gaben den Feuerwehrangehörigen ein paar Tipps unter anderem zur taktischen Ventilation, um Brandrauch aus Räumen abzuleiten. Mit den Auszubildenden der Feuerwehr Moshi wurde in ihrer Ausbildungseinheit der Einsatz nachgestellt und eine Brandbekämpfung im Innenangriff geübt. Für die ausgebildeten Feuerwehrangehörigen stand parallel die Ausbildung mit der Winde des Rüstwagens und die Bedienung des Stromaggregats auf dem Plan. Gemeinsam wurde dann noch das Absuchen von Räumen nach Personen bei einem Wohnungsbrand geübt. Im Anschluss wurde die Feuerwache für die morgige Fahrzeugübergabe hergerichtet. Das von Marburg gespendete Tanklöschfahrzeug und der Rüstwagen werden morgen offiziell an die Feuerwehr und die Stadt Moshi übergeben.
Tag 11 - Helfen Hand in Hand: Feuerwehr Marburg unterstützt Einsatzkräfte in Moshi
Der heutige Tag begann mit einer Ausbildungseinheit in der Technischen Hilfe bei einem Verkehrsunfall. Dabei wurde mit den Feuerwehrangehörigen aus Moshi das sogenannte Glasmanagement besprochen und geübt. Beim Glasmanagement geht es darum, kontrolliert Fahrzeugscheiben zu sichern oder diese von einem Unfallfahrzeug zu entfernen. Ziel hierbei ist es, einen Zugang zum Patienten zu ermöglichen und Verletzungen durch gefährlichen Glasstaub oder umherfliegende Splitter zu vermeiden. Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es dann ins örtliche Schwimmbad. Dort stand die Wasserrettung auf dem Ausbildungsplan. Marc-Phillip und Philipp zeigten ihren tansanischen Kollegen, wie man eine Wasserrettung durchführen kann, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen. Im Anschluss an die Ausbildungseinheiten wurde die Gunst der Stunde im Schwimmbad genutzt, um etwas Wasserball zu spielen. Der Abend heute klingt mit einem Fußballspiel der Feuerwehr Moshi gegen die örtliche Polizei aus. Wir werden euch morgen berichten, wie das Spiel ausgegangen ist.
Tag 12 - Helfen Hand in Hand: Feuerwehr Marburg unterstützt Einsatzkräfte in Moshi
Der Morgen begann mit einer Ausbildungseinheit in der Technischen Rettung bei einem Verkehrsunfall. Marc-Phillip und Phillip schulten ihre Kollegen der Feuerwehr Moshi im Bereich „Schaffen einer Seitenöffnung an einem verunfallten PKW und anschließender patientenorientierter Rettung.“ Danach wurde das Dach des PKW mit den hydraulischen Rettungsgeräten entfernt. Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurden in einem Festakt die beiden zuletzt gespendeten Fahrzeuge, der Rüstwagen und das Tanklöschfahrzeug aus Cappel, an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Moshi übergeben. Unter den Gästen waren der Bürgermeister von Moshi mit seinen Stadträten, die Kanzler der Stadtteile in Moshi, die Feuerwehrangehörigen aus Moshi und die Einwohner der Stadt. Marc-Phillip merkte in seiner Ansprache an, dass die Fahrzeuge keine Spende der Stadt Marburg an die Stadt Moshi seien, sondern eine Spende der Bürgerinnen und Bürger Marburgs an die Bürgerinnen und Bürger in Moshi. Die Fahrzeuge seien ein Signal der Freundschaft der Menschen in beiden Städten. Weiter hielt er einen kurzen Rückblick über die gemeinsame Ausbildung und betonte, dass es Ziel sei, den Feuerwehrangehörigen in Moshi nicht unser System „überzustülpen“, sondern Tipps und Hinweise zu geben, die sie in ihr bestehendes Rettungskonzept integrieren können. Im Anschluss an die Übergabe wurde sich mit den örtlichen Politikern über die verschiedensten Themen ausgetauscht. Den Tag haben unsere beiden Marburger bei einem gemeinsamen Essen mit dem Feuerwehrchef aus Moshi und seiner Familie ausklingen lassen.
Tag 13 - Helfen Hand in Hand: Feuerwehr Marburg unterstützt Einsatzkräfte in Moshi
Noch am gestrigen Abend wurden Marc-Phillip und Philipp zum Regionalleiter der Feuerwehr des Bezirks Kilimandscharo nach Hause eingeladen. Eine in Tansania sehr besondere Ehrerbietung. Während des Essens nutze Distriktleiter Jeremiah die Gelegenheit und nahm unsere beiden Marburger Ausbilder in seine Familie auf. Ein sehr emotionaler und berührender Moment für die beiden. Heute Morgen begann dann der letzte Ausbildungstag in Moshi. Auf dem Plan stand das Thema „Brandbekämpfung mit Schaum“, eine in Tansania relativ unbekannte Löschmethode. Marc-Phillip und Philipp zeigten ihren tansanischen Kollegen den Aufbau eines Schaumangriffs und die Vorteile dieser Löschtechnik. Im Anschluss an die Ausbildung wurde mit Torte und Kaltgetränken der Geburtstag einer Feuerwehrangehörigen gefeiert. Zum Abschluss der Ausbildung wurde ein Resümee der letzten Tage gezogen. Unter anderem in welchen Punkten die Ausbildung noch verbessert werden kann und welche Wünsche die Feuerwehrangehörigen aus Moshi an unsere Marburger für die nächste Ausbildungseinheit haben. Im September kommt wieder eine Delegation der Feuerwehr aus Moshi zur Ausbildung nach Marburg. Schwerpunkt soll die Wartung und Reparatur von Ausrüstungsgegenständen sein. Die Verabschiedung war sehr emotional, nicht nur für Marc-Phillip und Philipp, sondern auch für ihre Kollegen aus Moshi. „Auszubildende“ sind zu Freunden geworden, teilweise sogar zur Familie. Beide Seiten sind sich einig, den Austausch in beide Richtungen weiter fortzuführen. Als Zeichen der Dankbarkeit wurden beiderseits Geschenke ausgetauscht. Und so enden auch unsere Reiseberichte über die beiden Ausbilder Marc-Phillip und Philipp in Moshi. Wir hoffen, dass wir euch einen Einblick in die Partnerschaft beider Feuerwehren geben konnten und danken euch für euer Interesse an den Berichten.